Work Life Balance

Was bestimmt Vereinbarkeit?

In einem wunderbaren Artikel über die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen – Mutter von sieben Kindern – werden drei Schlüsselfaktoren auf den Punkt gebracht, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Mütter und Väter bestimmen. Diese lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  1. Es gibt für Eltern verschiedene Modelle der Aufteilung von Haushalt, Familien- & Kindersorge- sowie Erwerbsarbeit. Die Entscheidung für ein Modell richtet sich in der Praxis erfahrungsgemäß nach Sozialisierung und persönlichen Erwartungen der Eltern sowie den ökonomischen Anforderungen, mit denen sich die Familie konfrontiert sieht. Entscheidender Faktor für die Auswahl eines geeigneten Modells sollte jedoch, wie die promovierte Medizinerin von der Leyen hervorhebt, die Zufriedenheit beider Elternteile (man möchte ergänzen: und der Kinder) mit der Lebenssituation sein. Als schlimmste Begleiterscheinung nicht gelungener Vereinbarkeit arbeitender Mütter beschreibt die Ministerin das schwelende schlechte Gewissen, das auch sie selbst erlebt hat.
  2. Dieses schlechte Gewissen, nicht genug Zeit und Energie für die Kinder und Familie zu haben, ist – auch dies wird in dem Pressebeitrag deutlich – nicht immer (ausschließlich) Folge widersprüchlicher persönlicher Werthaltungen. Auch das soziale Umfeld bestimmt in wesentlichem Maße (durch die zum Ausdruck gebrachten Erwartungen einerseits & das Ausmaß seiner aktiven Unterstützung andererseits) mit, ob und wie Vereinbarkeit im konkreten Fall jeweils gelingen kann.
  3. Schließlich hebt von der Leyen, nicht zuletzt auf der Grundlage ihrer Erfahrungen als frühere Familienministerin Deutschlands, die Rolle und Verantwortung der Gesellschaft hervor, junge Familien durch politische Maßnahmen zu unterstützen: Karenz-/Kinder-/Elterngeld, Anspruch auf qualitativ hochwertige, altersentsprechende Kinderbetreuung und familienfreundliche Arbeitszeiten sind hier Kernpunkte, bei denen es anzusetzen gilt. Der Gestaltungsbedarf hört bei diesen Punkten freilich nicht auf!

Wir empfehlen die Lektüre des Artikels – er zeigt die Herausforderungen arbeitender Eltern in hochqualifizierten Berufen und macht gleichzeitig Mut zur Mitgestaltung der Rahmenbedingungen 🙂 !

 

Zum Nachlesen:

[1] „Ministerin und Mutter: Ursula von der Leyen über Kinder und Karriere“, in: Die Presse am Sonntag, 16. September 2018, S. 34-35 (Beilage „Leben“), online abrufbar unter: https://diepresse.com/home/leben/5496585/Ministerin-und-Mutter_Ursula-von-der-Leyen-ueber-Kinder-und-Karriere?from=suche.intern.portal

 

Die Verfasserin, ao. Univ-Prof. Dr. Katharina J. Auer-Srnka, beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie.