Teilzeit

Wie aktive Väter die Frauenrechte befördern könnten

„Familie vor, die Karriere muss warten.“[1] Wenn Männer aus tiefster Überzeugung feststellen, Ihnen wäre die Beziehung zu ihren Kindern weitaus wichtiger als ihr berufliches Fortkommen, so wird das – auch und besonders von Frauen – als progressiv beurteilt. Und progressiv heißt, nicht nur in diesem Zusammenhang, typischerweise: Toll! Erklären Frauen ebendieses, so gilt dies gemeinhin – durchaus auch unter (oft noch kinderlosen) Frauen – als vollkommen unzeitgemäß und rückständig (häufiger Nachsatz: ‚Oh Gott! Frauen-zurück-an-den-Herd‘?!). Temporär den Beruf gänzlich zurückzustellen bzw. längerfristig in Teilzeit zu arbeiten gilt gemeinhin als schlichtweg dumm, nicht selten als richtiggehend frauenverachtend: die Ideale bzw. Errungenschaften von Feminismus und Frauenbewegungen würden – aus purem Egoismus oder Engstirnigkeit ? – zunichte gemacht, so das oftmals vorgebrachte Argument.

Dass Frauen, die ein oder mehrere Kinder (mit-)zuversorgen haben, überwiegend nicht (weiterhin) Vollzeit arbeiten, gilt insbesondere in hochqualifizierten Berufen als zu behebendes Übel. So wird seitens Wirtschaft und Politik emsig versucht, gläserne Decken bzw. strukturelle, genderbasierte und formalen Hürden zu identifizieren und zu beseitigen, damit Frauen endlich ihrer wahren Berufung folgen können – auch wenn sie sich dazu entschließen, reproduktiv aktiv zu werden. Als sozio-ökonomisch gut situiertes Paar Kinder in die Welt (pardon Wirtschaft) zu setzen, ist politisch und wirtschaftlich ja im Hinblick auf das als notwendig erachtete Wachstum ebenso erwünscht! Und: Frauen können beides haben und sein – sie müssen es sich nur zutrauen, lautet der Grundtenor. Denn: In vernetzten, mobilen Zeiten ist schließlich möglich!

Für EntscheidungsträgerInnen in Unternehmen und Politik erstaunlich, nimmt zuletzt die Anzahl gut ausgebildeter Frauen wie auch Männer zu, die mit Überzeugung bezahlte Arbeitszeit zumindest partiell gegen weitgehend unbezahlte Haushalts-, Familien- und Kindersorgearbeit tauschen. Sie folgen dabei vielfach dem Wunsch, ausreichend Zeit und Energie für andere persönlich bereichernde, monetär nicht remunerierte Tätigkeiten (v.a. in Familie, Freundeskreis und Gesellschaft sowie in Freizeit oder Spiritualität) zu haben. Immer mehr Männern und Frauen sind dafür bereit, temporär ganz aus dem Berufsleben auszusteigen (Elternkaren) und langfristig nur 20 bis 30 Wochenstunden ihrer verfügbaren Arbeitszeit der Erwerbsarbeit zu widmen.

Für einen produktiven, ergebnisoffenen Diskurs erscheint es in Anbetracht dieser unleugbaren Entwicklung hilfreich, die Perspektive im wirtschaftlichen und politischen Diskurs zu erweitern: Wie es scheint, trauen sich hochqualifizierte Mütter und Väter zunehmend zu, ihre eigenen Bedürfnisse zu artikulieren und gegen die aktuelle Mainstream-Meinung aufzutreten, die unhinterfragt nahelegt, dass Familienplanung und -organisation in erster Linie den Anforderungen und dem Takt der Wirtschaft zu folgen hat. Für gut ausgebildete junge Eltern hingegen stehen aber zunehmend ihre persönlichen Interessen und Bedürfnisse und die ihrer Kinder sowie ihre Partnerschaft und Familie im Vordergrund. Der Beruf wird durchaus als wichtiger Aspekt der Potenzialentfaltung erlebt, aber eben als einer von vielen.

Es wäre hilfreich, wenn EntscheidungsträgerInnen in Unternehmen und Politik diese Betrachtungsweise aufgreifen und in Überlegungen zur zukunftsorientierten Maßnahmengestaltung einbeziehen würden. Es dürfte die Rechte von Frauen wie auch Männern deutlich befördern, wenn sie selbst als Eltern ihre Bedürfnisse und Wünsche artikulieren, und Unternehmen und Gesellschaft die Rahmenbedingungen schaffen, diese zu realisieren.

 

Zum Nach- bzw. Weiterlesen:

[1] Jeannine Hierländer/Stern, Nicole (2019): „Männer in Teilzeit – Familie vor, die Karriere muss warten“, in: Die Presse am Sonntag, 17. März, (ECO), S. 18

 

Die Verfasserin, ao. Univ-Prof. Dr. Katharina J. Auer-Srnka, beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie.