30-Stunden-Woche für alle!

Was ist gut am Frauenvolksbegehren?

Montag den 12. Februar 2018 startete das Frauenvolksbegehren 2.0. Dieses Volksbegehren  versteht sich als Fortsetzung der Bemühungen des ersten Frauenvolksbegehrens in Österreich aus dem Jahre 1997, dessen Forderungen nach weitgehender gesellschaftlicher und ökonomischer Gleichstellung von Frauen noch immer nicht erfüllt gesehen werden [1].

Die InitiatorInnen sammeln Unterstützungserklärungen zu zehn zentralen frauenpolitischen Forderungen. Ziel ist es daher, 100.000 Unterschriften und damit zu erreichen, dass die Themen des Frauenvolksbegehrens im Nationalrat behandelt und längerfristig letztlich auch durch entsprechende Gesetze umgesetzt werden.

Die zehn Forderungen lauten:

  • Macht teilen
  • Einkommensunterschiede beseitigen
  • Arbeit verteilen
  • Teilhabe, Respekt & Wertschätzung ermöglichen
  • Armut bekämpfen
  • Wahlfreitig ermöglichen
  • Vielfalt leben
  • Familie, Gesundheit und mehr Sicherheit unterstützen
  • Selbstbestimmung ermöglichen
  • Gewalt verhindern
  • Schutz gewähren (insbes. vor sexueller bzw. sexualisierter Gewalt)

(Quelle: https://frauenvolksbegehren.at)

Diese Forderungen zielen zweifelsfrei darauf, mehr Gerechtigkeit und Ausgleich zwischen Männern und Frauen innerhalb unserer Gesellschaft und vielleicht sogar auch darüber hinaus (Stichworte: Menschenhandel & Asyl) zu ermöglichen. Diesen Forderungen als wünschenswerte Zielorientierungen & den zugrundeliegenden Werthaltungen kann wohl kein vernünftig und demokratisch denkender Mensch widersprechen.

Argumentation & vorgeschlagene Wege zur Erfüllung der verschiedenen Forderungen sind freilich vor dem Hintergrund der jeweiligen politischen Ausrichtung sehr intensiv diskutierbar. So erscheint bspw. das Argument, der „Rechtsanspruch auf kostenlose, qualitativ hochwertige Kinderbetreuung, die mit einem Vollzeitjob vereinbar ist“, wäre die Lösung für das „Problem“, dass viele Frauen nach der Geburt eines Kindes nicht (ehestmöglich) wieder Vollzeit arbeiten, einerseits stark politisch motiviert und andererseits in höchstem Maße verkürzt.

Man kann zu den Forderungen im Einzelnen also durchaus unterschiedlich stehen. Die Umsetzung einer davon  scheint jedenfalls im Hinblick auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen für ein erfülltes Familienleben und bessere Vereinbarkeit von Familie & Beruf einen sehr großen Beitrag leisten zu könnnen: die Schaffung besserer Möglichkeiten, Erwerbsarbeit und unbezahlte Sorge- und Hausarbeit halbwegs gerecht und langfristig zufriedenstellend zwischen (Ehe-)Partnern und Eltern zu verteilen: jene nach einer allgemeinen 30-Stunden Arbeitswoche.[2; 3]

Wenngleich Gleichberechtigung europaweit noch ein weit entferntes Ziel ist, zeigen familienpolitische Beispiele aus anderen Ländern, (z.B. den Niederlanden), die positiven Auswirkungen der Angleichung der Arbeitszeiten von Müttern (überwiegend in Teilzeit) und Vätern (überwiegend in Vollzeit tätig). Bisherige Forschungsergebnisse belegen klar, dass die Zufriedenheit steigt, je gerechter die Verteilung von bezahlter & unbezahlter Arbeit in der Partnerschaft  und je mehr Zeit gemeinsam in der Familie verbracht werden kann [3].

Aus Sicht der Wirtschaft mag solch ein Schritt auf den ersten Blickk unattraktiv wirken. Vereinzelte Beispiele aus der aktuellen Unternehmenspraxis zeigen jedoch, dass Unternehmen durchaus von einem Schritt zur 30-Stunden Woche profitieren können, indem sie Gewinn im Sinne sozialer Verantwortung in (freie) Zeit investieren.[4] Auch für Eltern verringert sich mit reduzierter Arbeitszeit vermutlich die Wahrscheinlichkeit,  neben ihren Kindern Karriere zu machen deutlich weiter als schon bisher. Die Aussichten, Familie & Beruf in Einklang zu bringen, steigen durch reduzierte Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich aber für alle Beteiligten – beide Partner wie auch Kinder – deutlich!

Ein guter Beitrag des Volksbegehrens immerhin – für Familien und Gesellschaft. Schade, dass man nicht für einzelne Forderungen stimmen kann! (Nachsatz: Möglicherweise hätten sich dann auch einige der MinisterInnen in der aktuellen Regierung dem Frauenvolksbegehen in dem einen oder anderen Punkt inhaltlich anschließen können?!)[5]

 

Zum Weiterlesen

[1] https://frauenvolksbegehren.at

[2] Bonavida, Iris / Thalhammer, Anna (2018): „Zuerst das Baby, dann das Büro: Ein Leben in Teilzeit, in: Die Presse am Sonntag, 11. Februar 2018, S. 6f.

[3] Hetzel, Helmut (2018). „Wo Vollzeitarbeiten zur Ausnahme geworden ist“, in: Die Presse am Sonntag, 11. Februar, S. 7.

[4] Zauner, Karin (2018): „Gewinn wird investiert in Zeit“, in: Salzburger Nachrichten, Donnerstag, 1. März, S. 13.

[5] Zauner, Karin (2018): „Unternehmensollen ausbilden“, in: Salzburger Nachrichten, Samstag 3. März, S. 15.