Was ist gut am Frauenvolksbegehren?

Heute, Montag den 12. Februar 2018, startet das Frauenvolksbegehren 2.0 Dieses Volksbegehren versteht sich als Fortsetzung der Bemühungen des ersten Frauenvolksbegehrens in Österreich aus dem Jahre 1997, dessen Forderungen nach weitgehender gesellschaftlicher und ökonomischer Gleichstellung von Frauen noch immer nicht erfüllt gesehen werden.

Die InitiatorInnen sammeln Unterstützungserklärungen zu zehn zentralen frauenpolitischen Forderungen. Ziel ist es daher, 100.000 Unterschriften und damit zu erreichen, dass die Themen des Frauenvolksbegehrens im Nationalrat behandelt und längerfristig letztlich auch durch entsprechende Gesetze umgesetzt werden.

Die zehn Forderungen:

  • Macht teilen
  • Einkommensunterschiede beseitigen
  • Arbeit verteilen
  • Teilhabe, Respekt & Wertschätzung ermöglichen
  • Armut bekämpfen
  • Wahlfreitig ermöglichen
  • Vielfalt leben
  • Familie, Gesundheit und mehr Sicherheit unterstützen
  • Selbstbestimmung ermöglichen
  • Gewalt verhindern
  • Schutz gewähren (insbes. vor sexueller bzw. sexualisierter Gewalt)

zielen zweifelsfrei darauf, mehr Gerechtigkeit und Ausgleich zwischen Männern und Frauen innerhalb unserer Gesellschaft und vielleicht sogar auch darüber hinaus (Stichworte: Menschenhandel & Asyl) zu ermöglichen. Diesen Forderungen als wünschenswerte Werthaltungen und Zielorientierungen kann sich wohl kein vernünftig und demokratisch denkender Mensch widersprechen. Argumentation und vorgeschlagene Wege dahin sind freilich vor dem Hintergrund der jeweiligen politischen Ausrichtung sehr intensiv diskutierbar (so erscheint etwa. die Argumentation, der Rechtsanspruch auf kostenlose, qualitativ hochwertige Kinderbetreuung, die mit einem Vollzeitjob vereinbar ist, wäre die Lösung für das „Problem“, dass viele Eltern – v.a. Frauen – nach der Geburt eines Kindes nicht wieder Vollzeit arbeiten, einerseits stark politisch motiviert und andererseits in höchstem Maße verkürzt, um nur ein Beispiel herauszugreifen).

Man kann zu den Forderungen im Einzelnen durchaus unterschiedlich stehen. Die Umsetzung einer davon allerdings scheint im Hinblick auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen für ein erfülltes Familienleben und die Vereinbarkeit von Familie & Beruf einen sehr großen Beitrag leisten zu könnnen: die Schaffung besserer Möglichkeiten, Erwerbsarbeit und unbezahlte Sorge- und Hausarbeit halbwegs gerecht und langfristig zufriedenstellend zwischen (Ehe-)Partnern und Eltern zu verteilen: jene nach einer allgemeinen 30-Stunden Arbeitswoche.

Beispiele aus anderen europäischen Ländern, insbesondere den Niederlanden, zeigen die positiven Auswirkungen der Angleichung der Arbeitszeiten von Müttern (überwiegend in Teilzeit) und Vätern (überwiegend in Vollzeit tätig) aus gesellschaftlicher und familienpolitischer Sicht. Die Zufriedenheit steigt mit der gerechteren Verteilung von bezahlter & unbezahlter Arbeit in der Partnerschaft sowie der Möglichkeit, mehr Zeit gemeinsam in der Familie zu verbringen. Ein solcher Schritt verringert mag zwar aus Sicht der Wirtschaft unattraktiv wirken und für beide Partner letztlich die Wahrscheinlichkeit, Karriere mit Kindern zu verbinden, deutlich verringern; für beide, Mütter & Väter, bestehen aber deutlich bessere Aussichten, Familie & Beruf für alle Beteiligten (einschließlich der Kinder) besser und zufriedenstellender in Einklang zu bringen!

Ein guter Beitrag des Volksbegehrens immerhin. Schade, dass man nicht für einzelne Forderungen stimmen kann! (Nachsatz: Möglicherweise hätten sich dann auch einige der MinisterInnen in der aktuellen Regierung dem Frauenvolksbegehen in dem einen oder anderen Punkt inhaltlich anschließen können?!)

 

Zum Weiterlesen

https://frauenvolksbegehren.at