Eltern! Was ist Arbeit?

Die Mehrheit von Frauen wie Männern in hochqualifizierten Berufen wollen, wie die Erfahrung zeigt, auch nach der (oft langersehnten) Familiengründung – mit oder ohne temporärer Unterbrechung – grundsätzlich beruflich aktiv bleiben. Daraus resultiert mit jedem neuen Familienmitglied zunehmend die Frage nach der Ein- und partner(schaft)lichen Aufteilung von beruflichen und familienbezogenen Aufgaben. Elterliche Arbeit und deren Aufteilung wird typischerweise im Hinblick auf drei Bereiche diskutiert: Erwerbs-, Haushalts- und Betreuungsarbeit.[1] Diese gängige Aufzählung suggeriert eine vollkommene Austauschbarkeit dieser drei Bereiche. Tatsächlich unterscheiden sich Erwerbstätigkeit, Haushaltsarbeit und Kinderbetreuung in vielerlei Hinsicht sehr wesentlich und sind schon von daher nicht als gleichwertig und direkt austauschbar anzusehen.

Insbesondere differieren Beruf, Haushaltsführung und die Versorgung von Kindern im  Hinblick Auf. 1. Ausbildungsvoraussetzungen, 2. geistige Herausforderung, 3. emotionale Befriedigung sowie nicht zuletzt 4. soziale Anerkennung und 5. finanzielle Abgeltung. Dies erkennen immer mehr Mütter und Väter mit hoher Bildung und langen Ausbildungswegen, die einerseits in hochqualifizierten Berufen tätig sind (mit denen sie sich in hohem Maße identifizieren), andererseits ihren lange aufgeschobenen Kinderwunsch nunmehr realisieren wollen (und gleichermaßen Anteil am Aufwachsen ihrer Kinder haben wollen).

Die im sozialen wie auch politischen Diskurs zumeist suggerierte Austauschbarkeit der „Betreuungsarbeit“ beschränkt sich aber nicht auf die Elternteile allein. Kinderbetreuung kann nach gängiger Ansicht auch – wenn dies finanziell attraktiv erscheint – an Dritte ausgelagert werden. Mit allen Zusatznutzen, die frühkindliche „Bildungseinrichtungen“ bieten. Immer öfter wird seitens der derart zu entlastenden Eltern die Frage gestellt: „Will ich wirklich weiterhin 40 Stunden+ arbeiten und mein Kind von anderen aufziehen lassen?“

Die typische Dreiteilung elterlicher Arbeit ist aber auch in anderer, vermutlich weit aus wesentlicherer Hinsicht verkürzt. So beschränkt sich die „Aufzucht“ von Kindern nicht ausschließlich auf deren „Betreuung“, sondern umfasst vielfältige Aspekte elterlicher Obsorge.[2] Die Aufsichtspflicht ist eine wesentliche Aufgabe von Eltern und dient Sicherheit und Unversehrtheit der Kinder. Darüber hinaus ist der Alltag mit Kindern in hohem Maße durch Pflege (Hygiene, Ernährung, Gesundheit etc.) und Be- & Erziehung (Geborgenheit, Bildung) geprägt. Elterliche Kinder-Sorge-Arbeit ist auf das bestmögliche physisch wie psychisch gesunde Gedeihen der Kinder, die optimale Entwicklung ihrer Anlagen und Potenziale sowie die gelungene Eingliederung in die sozialen Umfeld-Systeme gerichtet.[2; 3]

Verglichen mit Erwerbsarbeit erscheint der Alltag mit Kindern oft emotional höchst aufreibend, geistig zermürbend und wenig honoriert; nur Hausarbeit wird üblicherweise von Frauen wie Männern als noch weniger lohnenswert erlebt. Bedauerlicherweise erweisen sich Haushaltstätigkeiten in deutlich höherem Grade mit den Anforderungen elterlicher Kinder-Sorge-Arbeit vereinbar als die meisten Berufe. Damit kommt es auch bei Hochqualifizierten in der überwiegenden Zahl der Fälle zu einer Arbeitsteilung zwischen Müttern und Vätern, bei denen eine/r mehrheitlich Kinder & Haushalt übernimmt und der/die andere mehrheitlich berufstätig ist. Das mag nicht unbedingt einer finanziell begründeten „Re-Traditionalisierung“ geschuldet sein, sondern vielmehr  Ergebnis persönlicher Präferenzen unter den gegebenen Rahmenbedingungen.

Wer eine wirkliche „Gleichberechtigung“ im Sinne einer zufriedenstellenderen Aufteilung von bezahlter und unbezahlter elterlicher Arbeit im Sinne des aktuellen gesellschaftlichen Ideals anstrebt, sollte in seinen Überlegungen und Berechnungen von einer differenzierteren Definition und Bewertung von Erwerbs-, Haushalts-, Pflege-, Be- & Erziehungsarbeit ausgehen, und dabei Beziehungsarbeit in der Partnerschaft und das Familien-Management nicht zu vergessen.

Ein vielversprechendes Ergebnis könnte eine entsprechend differenzierte Conclusio sein: 1. Bis zum 3. Lebensjahr des jüngsten Kindes erweist sich eine (traditionelle) Arbeitsteilung aus einer Vielzahl von Gründen hilfreich; zwischen 3. und 6. Lebensjahr des jüngsten Kindes könnte eine Teilzeit-Tätigkeit für beide Eltern erfüllend und für die Familienbindung bereichernd sein, ab Beginn des Schulalltags könnte eine Annäherung an eine 30-Stundenwoche für beide Elternteile eine weitgehend gleichberechtigte Teilhabe an sämtlichen Bereichen elterlicher Arbeit ermöglichen.

Nach der Hochphase der Pubertät sieht die (Arbeits-)Welt für Eltern dann ohnehin wieder ganz anders aus ….

 

Zum Nach- und Weiterlesen

[1] Dörfler, Sonja (2019): Elterliche Arbeitsteilung in Österreich und Schweden, beziehungweise, Informationsdienst des Österreichischen Instituts für Familienforschung, April 2019, S. 1-4; online abrufbar unter: https://www.oif.ac.at

[2] Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch (ABGB), § 138 – Kindeswohl, aktueller Stand online abrufbar unter: https://www.jusline.at/gesetz/abgb/paragraf/138

[3] UN Kinderrechtskonvention, online abrufbar unter: https://www.kinderrechtskonvention.info/

[4] Kinderrechte in Österreich, aktuelle Informationen des Österreichischen Bundeskanzleramts| Sektion V – Kinder & Familie, online abrufbar unter:  https://www.kinderrechte.gv.at/

 

Die Verfasserin, ao. Univ-Prof. Dr. Katharina J. Auer-Srnka, beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie.