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Hausarbeit: Arbeitsteilung im Haushalt

Männer & Frauen: Nicht so verschieden

Betrachtet man den familiären Alltag, erweisen sich Männer und Frauen als gar nicht so verschieden. So ist etwa hohe Übereinstimmung bei Kochen, Post erledigen sowie Garten- bzw. Pflanzenpflege zählen laut Studienergebnissen bei Österreicherinnen und Österreichern zu den Top3 unter den Haushaltstätigkeiten. Am stärksten abgelehnt werden demgegenüber beiderseits Reinigungsarbeiten (insbes. Abstauben, Boden wischen und WC putzen) sowie Wäsche machen (v.a. Bügeln). Alles was sonst noch laufend an Hausarbeit anfällt (wie Tisch abräumen, Betten machen, Aufräumen etc.) liegt auf der (Un-)Beliebtheitsskala irgendwo dazwischen.[1] Insgesamt gesehen sind Haushaltstätigkeiten bei Männern wie Frauen ziemlich unbeliebt. Allerdings werden die verschiedenen Arbeiten von Männern noch widerwilliger ausgeübt als von Frauen. Auf Seite der Frauen steigt die Ablehnung mit dem Bildungsgrad.[2]

Das bisschen Haushalt … mag keiner

Ungeachtet der ähnlich gelagerten Präferenzen verrichten unabhängig vom Bildungsgrad zumeist Frauen den Hauptteil der Hausarbeit in gemeinsamen Haushalten. Sie investieren im Laufe einer Woche durchschnittlich gut doppelt so viel Zeit in den Haushalt wie ihre Partner.[3] Um die durchwegs beliebten Pflanzen kümmern sie sich beispielsweise rund ein Drittel häufiger als Männer. Das Kochen übernehmen täglich mehr als die Hälfte der Frauen gegenüber rund einem Drittel der Männer. Die über die Essenszubereitung hinausgehende – beiderseits unbeliebte – Küchenarbeit bleibt dabei  typischerweise der Frau überlassen (in 70% der Fälle putzt sie nachher die Küche). Auch die unbeliebtesten Tätigkeiten Aufräumen, Reinigen & Wäsche verrichten überwiegend Frauen: Nur 5% bzw. 3% der Männer waschen bzw. bügeln regelmäßig; immerhin jeder Fünfte saugt zumindest gelegentlich Staub, putzt das WC oder verrichtet sonstige Reinigungsarbeiten im Haushalt. Mehr, länger und v.a. auch mit mehr Interesse als Frauen wenden Männer sich lediglich Reparaturen im Haushalt und der Fahrzeugpflege zu.[4]

Mehr Spiel-Zeit mit den Kindern

Auch hinsichtlich ihrer Wünsche, ausreichend Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und diese „qualitätsvoll“ zu nutzen, bestehen zwischen Müttern und Vätern kaum Unterschiede. Dennoch ist, wie bei der Verteilung der Hausarbeit, bei der Kinderbetreuung ein deutliches Ungleichgewicht und eine klassische Rollenverteilung zu beobachten – egal, ob und in welchem Maße Frauen beruflich tätig sind: Sie versorgen (baden/waschen, wickeln, füttern, kuscheln), beaufsichtigen (zu Hause, am Spielplatz), begleiten ihre Kinder (Hausaufgaben, Lernen/Üben, zu Schul- & Freizeitveranstaltungen begleiten, Arzt-/Amtstermine etc.) und spielen mit ihnen; Kinderbetreuung bei Männern umfasst überwiegend Spiel und Bewegung.

Frauen investieren also nicht nur quantitativ mehr Zeit für die gemeinsamen Kinder, sondern leisten zumeist auch qualitativ einen breiteren Beitrag zu deren Versorgung, Beaufsichtigung und Erziehung. Nicht zuletzt lastet die „Letztverantwortung“ für das Kindeswohl bei Ihnen: Auch wenn sie erwerbstätig sind, sind es typischerweise die Mütter, die im Zweifelsfall abrufbereit sind, wenn es bspw. darum geht erkrankte Kinder von Kindergarten oder Schule abzuholen, mit ihnen zu Hause zu bleiben oder sie zum Arzt zu bringen. Auch das nächtliche Schreien des Säuglings „überhören“ Mütter tendenziell seltener als Väter … [4],[5]

Optionen für persönlich bereichernde (Erwerbs-)Arbeit

Ungeachtet dessen, ob Frauen berufstätig sind oder nicht, leisten sie verglichen mit ihren Männern etwa die doppelte Anzahl von Stunden an unbezahlter Arbeit in Haushalt und Kinderbetreuung (sowie ggf Angehörigenpflege & Ehrenamt). Sie tragen damit, vielfach ohne emotionalen Ausgleich, den Hauptteil der überwiegend als frustrierend eingeschätzten, unbezahlten Haushalts- und Familienarbeit. Denn: Trotz aller emotionalen Belohnung bleibt ein Großteil der Elternarbeit emotional aufreibend, schlafraubend und zeitlich wie auch persönlich einschränkend.

Angesichts dieser Ungleichverteilung, die sich trotz veränderter Bildungs- und Berufsrealitäten über die vergangenen Jahrzehnte als höchst stabil erweist, ist es für Frauen mit betreuungspflichtigen Kindern schwierig, einer zufriedenstellenden Erwerbstätigkeit nachzugehen – selbst wenn sie auf Freizeit und persönliche Erholungszeit weitestgehend verzichten. Gerade für hochqualifizierte Frauen aber stellt ihre bisherige berufliche Tätigkeit einen wesentlichen Teil ihrer Identität dar. Diesen nicht ausleben zu können, wird von Frauen zumeist als frustrierend erlebt und kann im Extremfall zu schwerwiegenden psychischen Beeinträchtigungen führen. Schließlich zählt ihre berufliche Arbeit für sie ebenso wie für die meisten Männer zu den zentralen Bestimmungsfaktoren der persönlichen Zufriedenheit und des Wohlbefindens.[6] Die Einbuße an finanzieller Unabhängigkeit kommt in vielen Fällen als weiterer Faktor, der den Selbstwert belastet, hinzu.

Zwar hat die Erwerbsbeteiligung von Frauen mit betreuungspflichtigen Kindern in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen – und zwar überwiegend in Form von Teilzeitbeschäftigung.[7] Doch berichten die meisten Frauen, trotz großen zeitlichen und organisatorischen Drucks, über wenig Möglichkeiten, in dieser Form an ihre Karriere vor der Elternschaft anzuknüpfen. Demgegenüber zeigt sich bei Männern durch die Elternschaft typischerweise keine Verschlechterung in ihrer Erwerbsbiografie, wiewohl (was oft nicht so deutlich wahrgenommen wird!) auch bei ihnen die Belastung in dieser Lebensphase erheblich steigt.

Raus aus der Frustfalle – aber wie?

Die Präferenzen sind also bei Vätern und Müttern sehr ähnlich, erfüllt werden sie jedoch auf verschiedene Weise und in zum Teil höchst unterschiedlichem Maße. Das schürt zwangsläufig Unzufriedenheit in der Partnerschaft und oft auch Konflikte! Was wären Lösungen?

  1. Einfache Lösungen kosten Geld & Toleranz: Etwa zwölf Prozent der Haushalte beschäftigen eine bezahlte Haushaltshilfe.[1] Diese Entlastung kommt in gemeinsamen Haushalten überwiegend der Frau zugute. Neben geringerer Frustrationsbelastung bleibt auch mehr Spiel-Zeit mit den Kindern. Das erhöht die Lebensqualität der Mütter erheblich und reduziert das Konfliktpotenzial erheblich. Eine Angleichung der weiblichen Schmutztoleranz an die die der Männer könnte für weitere Entlastung sorgen!
  2. Weiterführende Lösungen fordern mehr Einsatz zum Ausgleich der Ungleichverteilung von frustierender und bereichernder Arbeit: Selbst wenn eine Haushalts- bzw. Putzhilfe einmal pro Woche bzw. alle zwei bis drei Wochen für die groben Arbeiten leist- und verfügbar ist, bleibt noch sehr viel an laufender Haushaltstätigkeit. Männer wie Frauen müssen sich klar sein, dass eine Einteilung, bei der Männer nur die Top3 der Hausarbeiten übernehmen, langfristig keinen Weg aus der Frustfalle darstellt! Beliebtere Tätigkeiten wie Einkauf und Kochen z.B. eignen sich allerdings sehr gut für gemeinsame Zeit. Ansonsten führt kein Weg daran vorbei, dass arbeitende Väter – wenn schon nicht mit Bügelbrett & -eisen – so zumindest mit der Waschmaschine und Wäscheständer nähere Bekanntschaft machen und diese regelmäßig pflegen! Und: Auch den Freundes-, Lehrer- und BetreuerInnen-Kreis der Kinder lohnt es näher kennenzulernen. Denn die empirischen Befunde zeigen deutlich: Je gerechter verteilt Hausarbeit und Kindersorgearbeit sind, desto weniger Konflikte gibt es und umso zufriedener sind beide Partner mit der Beziehung.
  3. Integration von bezahlter & unbezahlter Arbeit: Home-office ist keine Lösung für das Frustproblem, sondern verschärft es. Arbeiten Frauen von zu Hause, haben sie oft – zumindest, wenn es sich nicht anders einrichten lässt – den Konflikt „Kinder nebenbei“ betreuen zu müssen, statt ihnen ihre ganze Aufmerksamkeit widmen zu können. Darüber hinaus besteht innerfamiliär vielfach die Erwartungshaltung, dass – wenn man ja ohnehin zu Hause ist – nebenbei auch der Haushalt erledigt werden kann. Die Waschmaschine wäscht ja schließlich von selbst und der Ofen tut auch neben dem Computer seine Arbeit. So viel Multitasking schaffen Männer, wenn sie von zuhause arbeiten, im Regelfall allerdings selbst (auch) nicht, wie die persönliche Erfahrung immer wieder beweist!
  4. Alternative Lösungen im Berufsalltag: Auch wenn die Kinder bereits im Krabbelstuben- bzw. Kindergartenalter sind, gibt es für Mütter beruflich, wenn man ehrlich ist, unter den gegebenen Bedingungen kaum Alternativen zur Teilzeitarbeit. Unternehmen können jedoch einen Beitrag leisten, indem sie erfahrenen, motivierten Mitarbeiterinnen qualitativ hochwertige Teilzeitstellen und Job-Sharing für Führungskräfte anbieten. Da hochqualifizierte Tätigkeiten oft projektorientiert bzw. zeitlich in Phasen teilbar strukturiert sind, besteht vielfach die Möglichkeit, die Arbeitsbelastung nach neuen Kriterien entsprechend zu skalieren. Geteilte Führungspositionen wiederum können intergenerational ausgelegt, d.h. Frauen in verschiedenen Lebensabschnitten teilen sich eine Managementstelle. So können sie zum einen von ihren unterschiedlichen Erfahrungen profitieren, zum anderen bleibt die Führungsstelle besetzt – trotz Urlaubs, betreuungsfreier Tage oder wiederholter Schafblattern-Epidemien in Kinderbetreuungseinrichtungen! Hinsichtlich solcher Lösungen besteht freilich noch starker Kommunikationsbedarf!

 

Was sagen Sie dazu? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

 

Die Verfasserin, ao. Univ-Prof. Dr. Katharina Auer-Srnka, beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

 

Zum Nach- und Weiterlesen

[1] Marketagent.com: Haushaltsreport 2015, online abrufbar unter: http://www.marketagent.com/webfiles/MarketagentCustomer/pdf/db423bbb-a0e4-4d0e-9469-3f0b39d5294e.pdf

[2] IMAS / Österreichisches Institut für Familienforschung: Hausarbeit: Wo sind die Männer?, Informationsdienst „beziehungsweise“, Ausgabe 14/2003, online abrufbar unter: http://www.oif.ac.at/service/zeitschrift_beziehungsweise/detail/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=548&cHash=dca84daad1e148b009e2d845338132e1

[3] Statistik Austria: Zeitverwendung 2008/09, online abrufbar unter: https://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/soziales/zeitverwendung/zeitverwendungserhebung/index.html

[4] IMAS Meinungsforschungsinstitut: Einstellung der österreichischen Bevölkerung zur Hausarbeit, Studie im Auftrag der Firma ELECTROLUX, 2003.

[5] Buchebner-Ferstl, Sabine / Rille-Pfeiffer, Christiane (2008): Hausarbeit in Partnerschaften: „The glass partitioning wall“ zur innerfamilialen Arbeitsteilung – Ergebnisse für Österreich, Österreichisches Institut für Familienforschung an der Universität Wien, Working Paper 69, online abrufbar unter: http://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/36666/ssoar-2008-buchebner-ferstl_et_al-Hausarbeit_in_Partnerschaften__Studie.pdf?sequence=1

[6] European Commisssion, European Social Reality, Special EUROBAROMETER 273, 2006, online abrufbar unter: http://ec.europa.eu/commfrontoffice/publicopinion/archives/ebs/ebs_273_en.pdf

[7] Statistik Austria: Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Entwicklung der Erwerbs- und Teilzeitquoten, online abrufbar unter: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/soziales/gender-statistik/vereinbarkeit_von_beruf_und_familie/index.html

 

Nach der Babypause: Wiedereinstieg in den Beruf

Wiedereinstieg: Richtiger Zeitpunkt

Die Frage, ab wann Mütter (wieder) in ihren Beruf zurückkehren sollten mit der Frage gleichzusetzen, ab wann Kinder Betreuungseinrichtungen besuchen können, ist ein weitverbreiteter, fundamentaler Irrtum.[1] Berufstätigkeit von Müttern bedeutet für Kind(er), Mutter und das gesamte Familiengefüge deutlich mehr als „nur“ die (zumeist bestehende Notwendigkeit der) Fremdbetreuung des Kindes – sowie die damit verbundenen Organisation von Hinbringen und Abholen, Überbrücken von Ferienzeiten sowie Krisenmanagement im Falle der Erkrankung (was alles zusammen für beide Elternteile mit zunehmender Kinderzahl eine scheinbar exponentiell steigende Belastung darstellt!). Wenn Mütter arbeiten, verändert sich der gesamte Tagesablauf. Das hat zahlreiche Vor- aber auch erhebliche Nachteile, die es bei der Entscheidung für die Rückkehr in die Berufstätigkeit zu berücksichtigen gilt – sowohl auf den Zeitpunkt als auch das Stundenausmaß beim Wiedereinstieg!

Vorteile & Rahmenbedingungen von Krabbelstube & Kindergarten

Ohne Zweifel gewinnt die Woche an Struktur, was Kindern wie auch Eltern zumeist entgegen kommt: Verlässliche Abläufe und gewohnte Strukturen geben Sicherheit und vereinfachen die Organisation. Die meisten Kinder ab dem Alter von rund 18 Monaten profitieren, vorliegenden Studienergebnissen zufolge, nach einer gelegentlich herausfordernden Phase der Eingewöhnung deutlich vom Besuch einer gut organisierten Betreuungseinrichtung mit gut qualifiziertem und professionell geführtem Personal. Die Kinder profitieren im Regelfall erheblich von der sozialen Interaktion und der kognitiven Stimulation.[2] Allerdings zeigen Studien übereinstimmend, dass das zeitliche Ausmaß der Fremdbetreuung nicht beliebig gestalt- & ausweitbar ist. Es macht etwa einen erheblichen Unterschied, ob Kinder von 7:00 – 14:00 Uhr oder von 8:30 – 13:30 Uhr fremdbetreut werden. Noch wichtiger als das zeitliche Ausmaß ist aber die Regelmäßigkeit und damit Vorhersehbarkeit für Kinder, wann sie von den Eltern gebracht und v.a. von wem sie begrüßt, übernommen und den Vormittag über betreut werden und auch wann sie von welchem Elternteil wieder abgeholt werden. Übersteigt die Zeit in Fremdbetreuung ein für das einzelne Kind verträgliches Maß, so zeigen sich mittel- und auch langfristig negative psycho-soziale Konsequenzen.[3][5]

Dann bleiben da noch Haushalt & Versorgung von Kindern & Familie

Doch auch wenn Eltern ihre Kinder ab rund 1 ½ Jahren immerhin einen halben Tag in entsprechenden Einrichtungen gut betreut wissen, bleiben zahlreiche weitere Anforderungen, die es zu bedenken gilt, bevor Startzeitpunkt und Ausmaß der beruflichen Tätigkeit sinnvoll entschieden werden können. So bleibt die Haushaltstätigkeit (Putzen, Wäsche etc.) sowie die laufende Versorgung der Familie (v.a. Einkauf und Kochen) sowie für die Pflege-, Erziehung & Obsorge der Kinder (Reinlichkeitserziehung, Versorgung der Kinder mit jahreszeitlich und größenmäßig passender Kleidung, Kinderarztbesuche, kulturelle Bildung etc.) die in auch den meisten Familien mit zwei berufstätigen Elternteilen zum Großteil von Frauen erledigt wird. Auch Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten werden nicht immer vom männlichen Elternteil erledigt. Müssen all diese Arbeiten überwiegend am Nachmittag oder am Wochenende erledigt werden, so bleibt entsprechend weniger Zeit für gemeinsame Aktivitäten mit Kindern und Partner/in. So zeigt die Zeitverwendungsstudie der Statistik Austria, dass erwerbstätige Frauen täglich drei Stunden für die Haushaltsführung und nur eine knappe halbe Stunde für die aktive Betreuung ihrer Kinder (wobei dann, im Gegensatz zur Kinderbetreuung durch Männer, seltener Spielen als Aufgaben kontrollieren, Lernen u.dgl. im Vordergrund steht) aufwenden.[6]

Eigene Bedürfnisse müssen auch noch Platz haben!

Zumeist werden diese Aufgaben daher in die Abend- bzw. Nachtstunden verschoben. Dafür verzichten Eltern und insbesondere Frauen auf Zeit für ihre eigenen Bedürfnisse (Fitness, Erholung, Muße und Schlaf). Langfristig führt dies aber, in Verbindung mit zunehmender beruflicher Anforderung, zu Stress, Ermüdung und schließlich Erschöpfung beider Eltern, insbesondere der Mütter. Es macht einen wesentlichen Unterschied, ob man als Mutter die Zeit und Gelegenheit hatte, den Arbeitsalltag hinter sich zu lassen und zu Mittag zu essen, oder ob man hungrig direkt von Büro, Geschäft, Kanzlei o.a. in Krabbelstube bzw. Kindergarten hetzt. Gestresste, müde bzw. erschöpfte Mütter neigen mit der Zeit dazu, ihren Kindern weniger positive Zuwendung zu geben und in geringerem Maße adäquat und konsequent auf die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Kinder zu reagieren. Dies fördert in zunehmendem innerfamiliäre Konflikte und langfristige psycho-soziale Probleme [4].

Wie also sieht eine zusammenfassende Antwort auf die Frage aus, wann Mütter wiedereinsteigen können/sollen?

Richtlinien: Was wissenschaftliche Forschung nahelegt

Die jeweils konkrete Entscheidung hängt immer von einer Vielzahl von Faktoren ab, wie a) dem Wunsch der Mutter (wieder) beruflich tätig zu werden oder daheim zu bleiben, b) der finanziellen Notwendigkeit, spätestens nach der Karenzzeit wieder arbeiten zu gehen, c) dem emotionalen und psycho-sozialen Entwicklungsstand und damit verbunden der Bereitschaft des Kindes von fremden Personen betreut zu werden, c) Verfügbarkeit ausreichender Plätze in einer qualitativ hochwertigen und auch leistbaren Betreuungseinrichtung bzw. verlässlicher und stabiler Betreuungsalternativen wie Großeltern oder anderen Personen aus dem Familienverbund u.v.a.m. Dennoch geben vorliegende Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung verlässliche Orientierung für die persönliche Entscheidung von Müttern bzw. Eltern für den Wiedereinstieg:

  1. Fremdbetreuung von Kindern unter 1 Jahr (insbesondere vor Ende des 9. Lebensmonats) bedeutet eine erhebliche Stressbelastung und zeigt auch auf lange Sicht deutlich nachteilige Wirkungen für Kinder.[1] Insbesondere bei emotionaler Stabilität und Bindungsfähigkeit sind negative Konsequenzen deutlich nachweisbar.[4] Der regelmäßige Besuch einer pädagogisch gut geführten Betreuungseinrichtung ab einem Alter von rund 1 ½ Jahren hingegen bietet für Kinder gute Lern- & Entfaltungsmöglichkeiten ergänzend zur elterlichen Pflege, Betreuung und Erziehung. „Parenting“, also die elterliche Betreuung, stellt jedoch unter normalen Bedingungen die Basis einer gesunden, befriedigenden emotionalen, sozialen und kognitiven Kindesentwicklung dar.[5]
  2. Fremdbetreuung in einer Betreuungseinrichtung führt zu negativen Effekten im emotionalen und sozialen Bereich, wenn der Besuch der Betreuungseinrichtung zu früh, unregelmäßig oder über zu lange Zeit des Tages erfolgt. Ideal erweist sich bei Kindern bis zu 3 Jahren ein Maximum von rund 25 Stunden/Woche Ess- und Schlafzeiten eingerechnet. Mit zunehmendem Alter ist eine Ausweitung der Zeiten und auch Formen der Fremdbetreuung möglich. Allerdings entwickelt sich diese Ausweitungsmöglichkeit nicht linear. Sie steigt typischerweise ab dem vollendeten 3. Lebensjahr kontinuierlich an. Rund um sogenannte „Life Events“ wie Schuleintritt, Schulwechsel oder Einsetzen der Pubertät jedoch zeigen Kinder bzw. auch Jugendliche ein erhöhtes Bedürfnis nach gemeinsamer Zeit und Austausch, gemeinsamen Mahlzeiten sowie gemeinsamen Aktivitäten. Bleibt neben fixen Arbeitszeiten dafür nicht ausreichend Gelegenheit, erweist sich dies für Kinder wie Eltern als höchst unbefriedigend und stressinduzierend.
  3. Teilzeitarbeit von Müttern ist vorliegenden Forschungsergebnissen zufolge für Kinder deutlich vorteilhafter als Vollzeitberufstätigkeit [1], wobei ein Gesamtmaß von rund 25 Stunden Fremdbetreuung in den ersten drei Lebensjahren nicht überschritten werden sollte. 25 Stunden Fremdbetreuung bedeuten unter den Bedingungen einer durchschnittlichen Familie mit Kleinkindern nicht 25 Stunden Arbeitszeit für Mütter. Es bleiben täglich mehrere Stunden für Betreuung und Beschäftigung der Kinder sowie für Versorgungs- und Haushaltsarbeiten. Und nicht zuletzt: Die eigenen Bedürfnisse müssen einen fixen Platz haben! Das heißt: Haushalt ist nicht Freizeit, sondern Arbeitszeit. Freizeit ist zu 1/3 Familien- & Kinderzeit, zu 1/3 soziale Zeit (als Paar oder mit Freunden) und zu 1/3 persönliche Freizeit.

Also ab wann können Mütter arbeiten und wieviel?

Berücksichtigt man die angeführten Forschungserkenntnisse, so sollte man Müttern – und durchaus auch diese sich selbst – rund anderthalb Jahre Baby- bzw. Familienzeit gönnen, bevor der für das Kind passende Zeitpunkt für den Eintritt in eine Krabbelstube ausgelotet wird. Darüber hinaus erweist es sich als sinnvoll, nicht zeitgleich sondern zeitlich versetzt etwas später in den Beruf zurückzukehren, das Ausmaß der Arbeitsstunden unter dem geplanten Betreuungsausmaß (also maximal halbtags) und die wöchentliche Aufteilung der Arbeitszeit so zu wählen, dass ein arbeitsfreier Wochentag zur Verfügung bleibt (4-Tage Woche). Schließlich sollte geplant werden, wie möglichst stressfrei mit betreuungsfreien Zeiten (Ferien), Erkrankung des Kindes und kurzfristig erforderlicher Verfügbarkeit (Abholung aus dem Kindergarten wegen Unfall o.ä.) umgegangen werden soll. Sind all diese Aspekte berücksichtigt und geplant, bleibt immer noch genug an Unvorhersehbarem, dass den Alltag berufstätiger Eltern zur Herausforderung macht und gleichzeitig enorm bereichert!

Was sagen Sie dazu? Wir freuen uns darauf, Ihre Meinung zu lesen!

 

Verfasserin: Univ-Prof. Dr. Katharina J. Auer-Srnka
Katharina Auer-Srnka beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

 

Zum Nach- und Weiterlesen

[1] vgl. Gunn-Brooks, Jeanne/Han, Wen-Jui/Waldfogel, Jane (2002): Maternal Employment and Child Cognitive Outcomes in the First Three Years of Life: The NICHD Study of Early Child Care, Child Development, Vol. 73 (No. 4), pp. 1052-1072.

[2] Felfe, Christina/Lalive, Rafael (2014): Does Early Child Care Help or Hurt Children’s Development?, Institute for the Study of Labor/Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit, Discussion Paper, No. 8484, URL: http://ftp.iza.org/dp8484.pdf

[3] Felfe, Christina/Lalive, Rafael (2012): Early Child Care and Child Development: For Whom it Works and Why, Institute for the Study of Labor/Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit, Discussion Paper, No. 7100, URL: http://ftp.iza.org/dp7100.pdf

[4]Ackard, Diann M./Neumark-Sztainer, Dianne/Story, Mary/Perry, Cheryl (2006): Parental-Child Connectedness and Behavioral and Emotional Health Among Adolescents, American Journal of Preventive Medicine, Vol 30 (No. 1), pp. 58-66.

[5] Belsky, Jay/Clarke-Stewart, Alison/Lowe Vandell, Deborah/Tresch Owen, Margaret (2007): Are There Long-Term Effects of Early Child Care?, Child Development, Vol. 78 (No. 2), pp. 681-701.

[6] Statistik Austria (2009): Zeitverwendungserhebung 2008/09, URL: https://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/soziales/zeitverwendung/zeitverwendungserhebung/index.html