Hausarbeit: Arbeitsteilung im Haushalt

Männer & Frauen: Nicht so verschieden

Betrachtet man den familiären Alltag, erweisen sich Männer und Frauen als gar nicht so verschieden. So ist etwa hohe Übereinstimmung bei Kochen, Post erledigen sowie Garten- bzw. Pflanzenpflege zählen laut Studienergebnissen bei Österreicherinnen und Österreichern zu den Top3 unter den Haushaltstätigkeiten. Am stärksten abgelehnt werden demgegenüber beiderseits Reinigungsarbeiten (insbes. Abstauben, Boden wischen und WC putzen) sowie Wäsche machen (v.a. Bügeln). Alles was sonst noch laufend an Hausarbeit anfällt (wie Tisch abräumen, Betten machen, Aufräumen etc.) liegt auf der (Un-)Beliebtheitsskala irgendwo dazwischen.[1] Insgesamt gesehen sind Haushaltstätigkeiten bei Männern wie Frauen ziemlich unbeliebt. Allerdings werden die verschiedenen Arbeiten von Männern noch widerwilliger ausgeübt als von Frauen. Auf Seite der Frauen steigt die Ablehnung mit dem Bildungsgrad.[2]

Das bisschen Haushalt … mag keiner

Ungeachtet der ähnlich gelagerten Präferenzen verrichten unabhängig vom Bildungsgrad zumeist Frauen den Hauptteil der Hausarbeit in gemeinsamen Haushalten. Sie investieren im Laufe einer Woche durchschnittlich gut doppelt so viel Zeit in den Haushalt wie ihre Partner.[3] Um die durchwegs beliebten Pflanzen kümmern sie sich beispielsweise rund ein Drittel häufiger als Männer. Das Kochen übernehmen täglich mehr als die Hälfte der Frauen gegenüber rund einem Drittel der Männer. Die über die Essenszubereitung hinausgehende – beiderseits unbeliebte – Küchenarbeit bleibt dabei  typischerweise der Frau überlassen (in 70% der Fälle putzt sie nachher die Küche). Auch die unbeliebtesten Tätigkeiten Aufräumen, Reinigen & Wäsche verrichten überwiegend Frauen: Nur 5% bzw. 3% der Männer waschen bzw. bügeln regelmäßig; immerhin jeder Fünfte saugt zumindest gelegentlich Staub, putzt das WC oder verrichtet sonstige Reinigungsarbeiten im Haushalt. Mehr, länger und v.a. auch mit mehr Interesse als Frauen wenden Männer sich lediglich Reparaturen im Haushalt und der Fahrzeugpflege zu.[4]

Mehr Spiel-Zeit mit den Kindern

Auch hinsichtlich ihrer Wünsche, ausreichend Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und diese „qualitätsvoll“ zu nutzen, bestehen zwischen Müttern und Vätern kaum Unterschiede. Dennoch ist, wie bei der Verteilung der Hausarbeit, bei der Kinderbetreuung ein deutliches Ungleichgewicht und eine klassische Rollenverteilung zu beobachten – egal, ob und in welchem Maße Frauen beruflich tätig sind: Sie versorgen (baden/waschen, wickeln, füttern, kuscheln), beaufsichtigen (zu Hause, am Spielplatz), begleiten ihre Kinder (Hausaufgaben, Lernen/Üben, zu Schul- & Freizeitveranstaltungen begleiten, Arzt-/Amtstermine etc.) und spielen mit ihnen; Kinderbetreuung bei Männern umfasst überwiegend Spiel und Bewegung.

Frauen investieren also nicht nur quantitativ mehr Zeit für die gemeinsamen Kinder, sondern leisten zumeist auch qualitativ einen breiteren Beitrag zu deren Versorgung, Beaufsichtigung und Erziehung. Nicht zuletzt lastet die „Letztverantwortung“ für das Kindeswohl bei Ihnen: Auch wenn sie erwerbstätig sind, sind es typischerweise die Mütter, die im Zweifelsfall abrufbereit sind, wenn es bspw. darum geht erkrankte Kinder von Kindergarten oder Schule abzuholen, mit ihnen zu Hause zu bleiben oder sie zum Arzt zu bringen. Auch das nächtliche Schreien des Säuglings „überhören“ Mütter tendenziell seltener als Väter … [4],[5]

Optionen für persönlich bereichernde (Erwerbs-)Arbeit

Ungeachtet dessen, ob Frauen berufstätig sind oder nicht, leisten sie verglichen mit ihren Männern etwa die doppelte Anzahl von Stunden an unbezahlter Arbeit in Haushalt und Kinderbetreuung (sowie ggf Angehörigenpflege & Ehrenamt). Sie tragen damit, vielfach ohne emotionalen Ausgleich, den Hauptteil der überwiegend als frustrierend eingeschätzten, unbezahlten Haushalts- und Familienarbeit. Denn: Trotz aller emotionalen Belohnung bleibt ein Großteil der Elternarbeit emotional aufreibend, schlafraubend und zeitlich wie auch persönlich einschränkend.

Angesichts dieser Ungleichverteilung, die sich trotz veränderter Bildungs- und Berufsrealitäten über die vergangenen Jahrzehnte als höchst stabil erweist, ist es für Frauen mit betreuungspflichtigen Kindern schwierig, einer zufriedenstellenden Erwerbstätigkeit nachzugehen – selbst wenn sie auf Freizeit und persönliche Erholungszeit weitestgehend verzichten. Gerade für hochqualifizierte Frauen aber stellt ihre bisherige berufliche Tätigkeit einen wesentlichen Teil ihrer Identität dar. Diesen nicht ausleben zu können, wird von Frauen zumeist als frustrierend erlebt und kann im Extremfall zu schwerwiegenden psychischen Beeinträchtigungen führen. Schließlich zählt ihre berufliche Arbeit für sie ebenso wie für die meisten Männer zu den zentralen Bestimmungsfaktoren der persönlichen Zufriedenheit und des Wohlbefindens.[6] Die Einbuße an finanzieller Unabhängigkeit kommt in vielen Fällen als weiterer Faktor, der den Selbstwert belastet, hinzu.

Zwar hat die Erwerbsbeteiligung von Frauen mit betreuungspflichtigen Kindern in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen – und zwar überwiegend in Form von Teilzeitbeschäftigung.[7] Doch berichten die meisten Frauen, trotz großen zeitlichen und organisatorischen Drucks, über wenig Möglichkeiten, in dieser Form an ihre Karriere vor der Elternschaft anzuknüpfen. Demgegenüber zeigt sich bei Männern durch die Elternschaft typischerweise keine Verschlechterung in ihrer Erwerbsbiografie, wiewohl (was oft nicht so deutlich wahrgenommen wird!) auch bei ihnen die Belastung in dieser Lebensphase erheblich steigt.

Raus aus der Frustfalle – aber wie?

Die Präferenzen sind also bei Vätern und Müttern sehr ähnlich, erfüllt werden sie jedoch auf verschiedene Weise und in zum Teil höchst unterschiedlichem Maße. Das schürt zwangsläufig Unzufriedenheit in der Partnerschaft und oft auch Konflikte! Was wären Lösungen?

  1. Einfache Lösungen kosten Geld & Toleranz: Etwa zwölf Prozent der Haushalte beschäftigen eine bezahlte Haushaltshilfe.[1] Diese Entlastung kommt in gemeinsamen Haushalten überwiegend der Frau zugute. Neben geringerer Frustrationsbelastung bleibt auch mehr Spiel-Zeit mit den Kindern. Das erhöht die Lebensqualität der Mütter erheblich und reduziert das Konfliktpotenzial erheblich. Eine Angleichung der weiblichen Schmutztoleranz an die die der Männer könnte für weitere Entlastung sorgen!
  2. Weiterführende Lösungen fordern mehr Einsatz zum Ausgleich der Ungleichverteilung von frustierender und bereichernder Arbeit: Selbst wenn eine Haushalts- bzw. Putzhilfe einmal pro Woche bzw. alle zwei bis drei Wochen für die groben Arbeiten leist- und verfügbar ist, bleibt noch sehr viel an laufender Haushaltstätigkeit. Männer wie Frauen müssen sich klar sein, dass eine Einteilung, bei der Männer nur die Top3 der Hausarbeiten übernehmen, langfristig keinen Weg aus der Frustfalle darstellt! Beliebtere Tätigkeiten wie Einkauf und Kochen z.B. eignen sich allerdings sehr gut für gemeinsame Zeit. Ansonsten führt kein Weg daran vorbei, dass arbeitende Väter – wenn schon nicht mit Bügelbrett & -eisen – so zumindest mit der Waschmaschine und Wäscheständer nähere Bekanntschaft machen und diese regelmäßig pflegen! Und: Auch den Freundes-, Lehrer- und BetreuerInnen-Kreis der Kinder lohnt es näher kennenzulernen. Denn die empirischen Befunde zeigen deutlich: Je gerechter verteilt Hausarbeit und Kindersorgearbeit sind, desto weniger Konflikte gibt es und umso zufriedener sind beide Partner mit der Beziehung.
  3. Integration von bezahlter & unbezahlter Arbeit: Home-office ist keine Lösung für das Frustproblem, sondern verschärft es. Arbeiten Frauen von zu Hause, haben sie oft – zumindest, wenn es sich nicht anders einrichten lässt – den Konflikt „Kinder nebenbei“ betreuen zu müssen, statt ihnen ihre ganze Aufmerksamkeit widmen zu können. Darüber hinaus besteht innerfamiliär vielfach die Erwartungshaltung, dass – wenn man ja ohnehin zu Hause ist – nebenbei auch der Haushalt erledigt werden kann. Die Waschmaschine wäscht ja schließlich von selbst und der Ofen tut auch neben dem Computer seine Arbeit. So viel Multitasking schaffen Männer, wenn sie von zuhause arbeiten, im Regelfall allerdings selbst (auch) nicht, wie die persönliche Erfahrung immer wieder beweist!
  4. Alternative Lösungen im Berufsalltag: Auch wenn die Kinder bereits im Krabbelstuben- bzw. Kindergartenalter sind, gibt es für Mütter beruflich, wenn man ehrlich ist, unter den gegebenen Bedingungen kaum Alternativen zur Teilzeitarbeit. Unternehmen können jedoch einen Beitrag leisten, indem sie erfahrenen, motivierten Mitarbeiterinnen qualitativ hochwertige Teilzeitstellen und Job-Sharing für Führungskräfte anbieten. Da hochqualifizierte Tätigkeiten oft projektorientiert bzw. zeitlich in Phasen teilbar strukturiert sind, besteht vielfach die Möglichkeit, die Arbeitsbelastung nach neuen Kriterien entsprechend zu skalieren. Geteilte Führungspositionen wiederum können intergenerational ausgelegt, d.h. Frauen in verschiedenen Lebensabschnitten teilen sich eine Managementstelle. So können sie zum einen von ihren unterschiedlichen Erfahrungen profitieren, zum anderen bleibt die Führungsstelle besetzt – trotz Urlaubs, betreuungsfreier Tage oder wiederholter Schafblattern-Epidemien in Kinderbetreuungseinrichtungen! Hinsichtlich solcher Lösungen besteht freilich noch starker Kommunikationsbedarf!

 

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Die Verfasserin, ao. Univ-Prof. Dr. Katharina Auer-Srnka, beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

 

Zum Nach- und Weiterlesen

[1] Marketagent.com: Haushaltsreport 2015, online abrufbar unter: http://www.marketagent.com/webfiles/MarketagentCustomer/pdf/db423bbb-a0e4-4d0e-9469-3f0b39d5294e.pdf

[2] IMAS / Österreichisches Institut für Familienforschung: Hausarbeit: Wo sind die Männer?, Informationsdienst „beziehungsweise“, Ausgabe 14/2003, online abrufbar unter: http://www.oif.ac.at/service/zeitschrift_beziehungsweise/detail/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=548&cHash=dca84daad1e148b009e2d845338132e1

[3] Statistik Austria: Zeitverwendung 2008/09, online abrufbar unter: https://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/soziales/zeitverwendung/zeitverwendungserhebung/index.html

[4] IMAS Meinungsforschungsinstitut: Einstellung der österreichischen Bevölkerung zur Hausarbeit, Studie im Auftrag der Firma ELECTROLUX, 2003.

[5] Buchebner-Ferstl, Sabine / Rille-Pfeiffer, Christiane (2008): Hausarbeit in Partnerschaften: „The glass partitioning wall“ zur innerfamilialen Arbeitsteilung – Ergebnisse für Österreich, Österreichisches Institut für Familienforschung an der Universität Wien, Working Paper 69, online abrufbar unter: http://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/36666/ssoar-2008-buchebner-ferstl_et_al-Hausarbeit_in_Partnerschaften__Studie.pdf?sequence=1

[6] European Commisssion, European Social Reality, Special EUROBAROMETER 273, 2006, online abrufbar unter: http://ec.europa.eu/commfrontoffice/publicopinion/archives/ebs/ebs_273_en.pdf

[7] Statistik Austria: Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Entwicklung der Erwerbs- und Teilzeitquoten, online abrufbar unter: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/soziales/gender-statistik/vereinbarkeit_von_beruf_und_familie/index.html

 

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