Beruflich erfolgreich und kinderlos

Gebildet. Erfolgreich. Kinderlos.

In Österreich werden immer weniger Kinder geboren. Die statistischen Daten sprechen Bände: Die Zahl der Lebendgeborenen liegt aktuell bei rund 84.000 im Jahr. Noch vor 50 Jahren war der Wert um gut die Hälfte höher; so kamen Mitte der 1960er Jahre hierzulande jährlich immerhin knapp 130.000 Kinder zur Welt.[1] Immer mehr Menschen bleiben also ohne Kinder. Besonders Personen mit höherer Bildung sind bei uns immer öfter kinderlos: rund ein Drittel der 35-39jährigen bzw. ein Viertel der 40-45jährigen Akademikerinnen in Österreich haben keine Kinder.[2]

Jung, gebildet & erfolgreich: Worauf warten?

Während in früheren Jahrhunderten sozialer Status positiv mit der Anzahl an Kindern verknüpft war, scheint sich diese Beziehung in den letzten hundert Jahren – mit zunehmender Bildung und Erwerbsbeteiligung der Frauen – umgekehrt zu haben.[3] Was aber, so fragen sich viele in Gesellschaft und Politik, hindert junge, vielfach akademisch gebildete, beruflich erfolgreiche Menschen daran, Kinder zu bekommen? Immerhin wünschen sich in Österreich laut Mikrozensus gut 80% der Erwachsenen im gebärfähigen Alter einmal eine Familie.[4] Grund­sätzlich könnte man annehmen, dass das durch die Bildung erhöhte Einkommenspotenzial dazu führt, dass Menschen sich mehr Kinder leisten können.

Sicherheit.

Fragt man bei Studierenden nach, so zeigt sich, dass vielen jungen Menschen offenbar Planungs- & Einkommenssicherheit im persönlichen wie auch beruflichen Bereich fehlt. Gleichzeitig sind die Erwartungen an den Lebensstil beträchtlich; Einbußen im gewohnten Konsumverhalten sind für viele nicht akzeptabel. Der Ausblick auf finanzielle Rückschritte durch Karriereverzicht & Erzieh­ungszeiten einerseits und die organisatorischen Heraus­forderungen eines Alltags mit Kindern anderer­seits scheinen für viele jungen Menschen geradezu beängstigend zu sein.

Zudem sind Menschen, die sich heute in ihren 20ern und 30ern befinden, mit einem scheinbar unumstößlichen Leitsatz groß ge­worden: Ja nicht zu früh Kinder bekommen! Erst die Ausbildung abschließen, dann einmal einen guten Job finden und ausgiebig das Leben genießen. Oft schwingt aber auch noch etwas anderes mit: Angst vor der Verant­wortung. Mit Anfang 20 bis Mitte 30 fühlen sich viele junge Menschen heute den Anforderungen des Eltern-seins (noch) nicht gewachsen.

Über zwei Drittel der 20-24jährigen Männer und etwas mehr als die Hälfte der Frauen in dieser Alterskategorie wohnen noch bei ihren Eltern; bei den 25-29Jährigen sind es noch rund ein Drittel aller Männer und knapp ein Fünftel aller Frauen, die noch als „Kinder“ im elterlichen Haushalt leben.[5] Vor allem junge Männer wollen sich offenbar erst sicher sein, dass sie das Leben als Erwachsene und Eltern „packen“.

Ernüchterung: Kinderlos.

Mit dem Gefühl „soweit zu sein“ stellt sich dann aber oft auch große Ernüchterung ein. So erweist sich der Übergang von der beruflichen Karrierephase zum Eltern-sein vielfach nicht ganz so einfach, wie gedacht. Nach Jahren der Ausbildung, gelegentlich daran anschließender längerer Phasen prekärer Arbeits­verhältnisse auch unter AkademikerInnen und der durchaus berechtigten Genussphase finden sich viele Enddreißiger/Anfangvierziger beruflich „angekommen“ und persönlich bereit zur Eltern­schaft.

Gelegentlich folgt an dieser Stelle im Lebensverlauf dann eine intensive Phase der Suche nach dem „richtigen“ Partner bzw. die Erkenntnis, dass – selbst wenn Armors Pfeil eingeschlagen hat – das mit dem Schwanger-werden nicht immer ganz einfach läuft. Und plötzlich poppt da auch die Frage der Vereinbarkeit mit dem persönlich erfüllenden, identitätsstiftenden Beruf auf. In diesem Lebensverlauf bleiben letztlich dann viele, insbesondere hochgebildete Frauen nicht selten kinderlos. Rund ein Drittel der mit 45+ Jahren kinderlosen Frauen sind Akademikerinnen.[6]

Bleibt die Frage: Ist die zunehmende Kinderlosigkeit überwiegend eine Folge des Wartens auf „den richtigen“, zumindest aber einen besseren Zeitpunkt? Oder entschließen sich Frauen und Männer zunehmend (auch) durchaus bewusst für Kinderlosigkeit – und wenn, warum?

Wir freuen uns auf Ihre Meinung dazu!

 

Zum Nach- & Weiterlesen

[1] Statistik Austria. https://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/bevoelkerung/geborene/index.html

[2] Familienentwicklung in Österreich 2009-2013. Ergebnisse der Generations and Gender Survey
http://www.ggp-austria.at/fileadmin/ggp-austria/familienentwicklung.pdf

[3] Skirbekk, Vegard (2008), “Fertility trends by social status”, Demographic Research 18(5), 145-180.

[4] Familienentwicklung in Österreich 2009-2013. Ergebnisse der Generations and Gender Survey.
http://www.ggp-austria.at/fileadmin/ggp-austria/familienentwicklung.pdf

[5] Statistik Austria. http://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/bevoelkerung/haushalte_familien_lebensformen/familien/index.html

[6] Statistik Austria. http://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/bevoelkerung/haushalte_familien_lebensformen/familien/index.html

Verfasserin: Univ-Prof. Dr. Katharina J. Auer-Srnka
Katharina Auer-Srnka beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Hinweis: Dieser Beitrag ist unter dem Titel „Hohe Bildung – keine Kinder. Was uns am Eltern-werden hindern.“ erschienen unter: zartbitter.co.at/blog/